Bass Professor 4/02
Lightwave Fretless 4-Saiter
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In Insiderkreisen sorgte die Nachricht von einem völlig neuen Tonabnehmersystem zwar schon seit einiger Zeit für Furore, doch gesehen (geschweige denn gehört) hat es zumindest in Deutschland eigentlich noch niemand. Diesem Zustand will der Achener Bassbauer Christof Kost nun ein Ende bereiten, indem er uns einen seiner Sujet-Bässe (die im Bass Professor schon mehrfach getestet wurden) zukommen liess, dessen besonderes Ausstattungsmerkmal das völlig neuartige Lightwave-System darstellt. 

 
Technik:
Anders als bei den herkömmlichen Tonabnahmeverfahren, bei denen akustische Schwingungen in Spannung umgewandelt werden, verwendet das amerikanische Lightwave-System Licht (!), um die Saitenschwingung abzutasten. Jede Saite durchläuft dabei eine Art Lichtschranke, welche die Bewegung der Saite analog und ohne Verzögerung in elektrische Impulse umwandelt. 
Der Einfachheit halber besteht das Lightwave-System nicht nur aus den einzelnen Abnehmern, die sich unter länglichen Kappen vor störendem Lichteinfall geschützt befinden, sondern aus einer kompletten Brückeneinheit. Somit lässt sich zumindet die Hardware des Systems auf nahezu jeden Bass montieren. Anders sieht es bei der Elektronik aus, die sich auf der Rückseite befindet, und die von Christof Kost durch Verwendung einer durchsichtigen Abdeckung sehr eindrucksvoll präsentiert wurde. 
Hier wird schnell klar, dass man nicht einfach mal einen alten Jazz Bass mit dem Lightwave-System umrüsten kann. Immerhin wird eine grosse Platine für die Abnahme-Elektronik benötigt, und eine weitere für die Lightwave-Klangregelung. Dann kommt noch die reguläre Bass-Elektronik dazu (die bei dem Kost auf bewährte Weise passiv ausgelegt wurde), und letztlich muss das ganze System ja auch noch mit Strom versorgt werden. Zu diesem Zweck wird das Lightwave-System mit einem Nickel/Cadmium-Powerpack ausgeliefert, welches sich innerhalb von 90 Minuten aufladen lässt und die Elektronik für ca. 15 Stunden mit Spannung versorgt. Unser Kost-Testbass wurde probehalber aber erst einmal nur mit einer normalen 9V-Batterie ausgeliefert. Die Buchse für das Ladegerät wurde aber nichtsdestotrotz bereits auf der E-Fach-Abdeckung installiert.
Da die konventionelle Elektronik des Kost-Basses passiv arbeitet und sich somit nicht mit der aktiven Lightwave-Elektronik zusammenschalten lässt, hat der Aachener Bassspezialist die beiden Systeme kurzerhand separat nach draussen gelegt, so dass nun sowohl für die Licht- als auch für die Magnet-Abnahme eine eigene Klinkenbuchse zur Verfügung steht. Zur Zusammenfassung beider Systeme über eine Bassanlage benötigt man also entweder ein aktives Mischpult oder eine Vorstufe, die über zwei unabhängige Eingangskanäle verfügt. 
Für unsere Testzwecke wurde zwar ein Mischpult verwendet, doch das Augenmerk ist natürlich in erster Linie auf das Lightwave-Signal gerichtet, welches sich durch eine interessante Klangregelungsausstattung kräftig manipulieren lässt. 
So stehen einem als direkte Kontrollen neben dem Volumenregler eine Zweibandklangregelung und ein sogenanntes "ice Tone"-Poti zur Verfügung. Hinter diesem verbirgt sich ein patentiertes Piezo-Tonabnehmersystem, welches dem Licht-Signal zusätzliche Definition durch ein stärkeres Attack geben soll. Die "ice Tone"-Schaltung wird von dem Höhenregler mit verwaltet, welcher wie der Bassregler eine sogenannte "Kuhschwanz-Charakteristik" aufweist. In der Praxis heisst das nichts anderes, als dass sowohl extreme Bässe als auch extreme Höhen angehoben bzw. abgesenkt werden können. 
Neben den direkt zugänglichen Reglern befinden sich auch noch einige Trimpotis auf der rückwärtigen Platine. Durch kleine Löcher in der Abdeckung lassen sich hier noch die Ausgangslautstärken der einzelnen Saiten angleichen und auch der Maximalpegel für die Piezo-Schaltung einstellen. 
Vervollständigt wird das System durch zwei LED's in der Brücke, die den Ladezustand der Stromversorgung, bzw. das korrekte Setup des Pickups anzeigen.
Performance:
Bevor wir uns dem Klangergebnis zuwenden, sei eine Besonderheit erwähnt, die sich auf die Spieltechnik auswirken könnte (- eine Eigenart, die jedoch rein informativ und nicht wertend zu verstehen ist). Bedingt durch die grosse Brückenkonstruktion und die weit nach vorn herausragenden Überdachungen der Tonabnehmer ist der Anschlagsspielraum ein wenig eingeschränkter als auf herkömmlichen Instrumenten. Doch daran gewöhnt man sich im Handumdrehen.
So ungewöhnlich wie dieses System aufgebaut ist, so ungewöhnlich ist aber auch der resultierende Sound. Lässt man die Klangregler zunächst erst einmal in der Flat-Position, bekommt man ein Signal zu hören, welches vor allem den Grundtongehalt der Töne auf beeindruckende Weise featured. Ohne aufgeblasen zu wirken, besitzt der Sound ein Fundament, welches trocken und souverän abgebildet wird. Der Ton besitzt zudem eine bestechende Klarheit und verfügt über ein fein nuancierbares Dynamikspektrum. Man ist geneigt zu sagen, dass der Sound klinisch oder auch analytisch erscheint, tatsächlich spiegelt das Signal aber auf sehr natürliche Weise den akustischen Sound des Instrumentes wieder. Der Ton, der aus meiner Abhöre kommt, entspricht eigentlich genau dem Trockenklang des Kost-Basses - höchst beeindruckend! Nun ist dies aber nicht unbedingt das angestrebte Soundideal der Mehrzahl der Bassisten. Dank der Lightwave-Elektronik kann man aber nun diesen nahezu linearen Klang in bestimmte Richtungen einfärben. Ein traditioneller Basston lässt sich allerdings auch damit nicht erzielen. Vielmehr sorgen der Zweiband-EQ und vor allem der "ice Tone"-Regler für noch akustischere Eindrücke. In Zusammenhang mit der Fretless-Bauweise des Testbasses entstehen so absolut glaubwürdige Upright-Sounds. Gerne hätte ich auch einmal eine bundierte Variante gehört, da das Lightwave-System einen vielversrechenden Slapsound erahnen lässt. Besonders die tragfähigen Bässe könnten dem Daumentanz nämlich wirklich gut zu Gesicht stehen. 
Lobenswerterweise hat Kost seinen Bass ja zusätzlich mit Magnet-Tonabnehmern ausgestattet. So ist es nun möglich, über einen Mixer das Beste von beiden Systemen zu kombinieren. Der Lightwave-Pickup steuert die natürlichen Bässe und die kristallklaren, akustischen Höhen bei, und die beiden Jazz-Bass-Tonabnehmer sorgen für Wärme und Durchsetzungskraft im Mittenbereich. Somit ist der Kost/Lightwave-Bass ein wirklich interessant und angenehm klingender Fullrange-Bass.

 
Kommentar:
Grosses Lob an Christof Kost, der sich an die Verwendung des Lightwave-Systems herangewagt hat! Endlich kann der Licht-Tonabnehmer auf einem deutschen Bass begutachtet werden. Der enorme Arbeitsaufwand hinsichtlich der Fräsungen und der Elektronik wurde dabei von dem Aachener Unternehmen handwerklich perfekt umgesetzt. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches Instrument, das aufgrund der bundlosen Ausführung und in Verbindung mit dem Lightwave-Elektronik erstaunlich nach Kontrabass klingt. Da der neuartige Tonabnehmer in einem Höchstmass neutral klingt, liegt der Reiz vor allem in der Kombination mit dem jeweils verwendeten Instrument und dessen regulärer Tonabnehmer-Bestückung. 
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